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  • Ulrich Texter

"Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Revell und Carrera"

Aktualisiert: 7. Dez 2021

Die Corona Pandemie bescherte der Carrera Toys GmbH bereits 2020 ein Plus auf Branchenniveau. Ob die Gruppe es 2021 toppen wird, steht nicht in den Sternen, sondern liegt diesmal auf dem Wasser. Die Auftragsbücher sind voll, die Lieferungen eine Challenge. Fragen an Geschäftsführer Stefan Krings.


Herr Krings, die Marke Revell erzielte bis zum 18. November ein Umsatzplus 19,5 Prozent. Wird das durchzuhalten sein und wie wird die Gruppe, die 2020 den Umsatz auf 142 Mio. € steigern konnte, abschließen?

S.K.: Das hängt von den letzten Lieferungen ab. Die Aufträge sind da, ob wir sie ausliefern können, wird die eigentliche Challenge sein. Eine solche Ungewissheit wie dieses Jahr hatten wir in den vergange­nen Jahren jedenfalls nicht. Hinzu kommt jetzt die Frage, ob es noch zu einem Lockdown kommt. In Österreich haben wir einen. Wir sind sehr optimistisch, dass Revell in einer schönen Größenordnung abschließen wird und was die Gruppe anbelangt, können wir heute schon sagen, dass sie zweistellig wachsen wird.



Wie schlägt sich die Marke Carrera Toys? Der Umsatz stieg 2020 um 8,3 % auf 89,3 Mio. € und damit noch ein klein wenig stärker als Revell.

S.K.: Ende Oktober standen wir bei einem Plus von rund 13 %. Die Auftragsbücher sind auch bei Carrera voll, allerdings ist die Abhängigkeit von den Containern hier noch größer. Am Ende wird es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen beiden Marken.


Im Kerngeschäft, dem Plastikmodellbau, verbuchen Sie für 2021 mit 32 % das größte Plus, sieht man von den Weihnachtskalendern ab. Haben Sie den Erfolg den Heavy Metal Fans zu verdanken?

S.K.: Das stimmt, Plastikmodellbau ist stärker gewachsen als die Sparte Radio Control. Außerdem haben die 3D-Puzzle ein überproportionales Wachstum erzielt. Der Umsatzanteil von Modellbau inklusive Zubehör ist in diesem Jahr damit noch gestiegen, obwohl auch RC stark gewachsen ist. Im deutschen Markt sind wir bei RC inzwischen die Nummer 1.


Woran liegt es, dass ein eigentlich in die Jahre gekommenes Hobby wie Plastikmodellbau wieder solche Zuwachsraten erzielt?

S.K.: Revell hat neue Kunden gewonnen, das gilt aber auch für Carrera. Dafür müssen sie vernünftige neue Artikel und interessanten Content bieten, auch im Hinblick darauf, sie beim Hobby zu halten. Denken Sie an den AC/DC oder Rammstein Truck. Da sprechen wir Kunden an, die das als Fan-Produkt kaufen. Oder nehmen Sie die Adventskalender. Das Geschäft mit dem Modellbau-Adventskalendern gab es vor zwei Jahren noch gar nicht. Jetzt verkaufen wir 50.000 Stück. Das ist eine komplett andere Ansprache, weg vom traditionell "modellbauischen", angestaubten Image, zum modern, coolen. Dieses Jahr erzielen wir bei Modellbaukalendern ein Wachstum von 160 %. Ich bin sehr optimistisch für die Zukunft, denn wir haben gerade erst angefangen.


Spielwaren waren Tröster in der Pandemie. Wird die Blase nächstes Jahr platzen, weil wir dann hoffentlich Covid unter Kontrolle haben.

S.K.: Blase klingt mir zu negativ. Natürlich haben die Menschen weniger Möglichkeiten gehabt, in Urlaub zu fahren oder ihre Freizeitmöglichkeiten so zu gestalten, wie sie es kannten. Alles hat gelitten. Dafür kauften sie mehr Konsumgüter. Plastikmodellbau ist ein Systemhobby, das gilt übrigens auch für die Rennbahn. Wenn wir von Plastikmodellbau sprechen, sprechen wir von einem Nischenmarkt, aber wir haben in all den Jahren Konsumenten gewonnen, die bei diesem Hobby geblieben sind. In der Branche wird es eine sehr diversifizierte Entwicklung unter den Spielwarenherstellern geben. Das zeigt sich schon heute. Es gibt Gewinner, aber auch Unternehmen, die ein starkes Minus verzeichnen.


Für 2021 kündigten Sie bei Carrera fast 150 Neuheiten im Bereich Autorennbahn und RC, bei Revell knapp 100 bei Modellbau und RC an. Mit was dürfen die Händler im nächsten Jahr rechnen?

S.K.: Das liegt auf ähnlichem Niveau. 2020 hatten wir die Neuheiten zugunsten 2021 ein wenig runtergefahren, weil wir dachten, 2021 etwas gegensteuern zu müssen. Das war aber gar nicht nötig, weil das Kerngeschäft gut läuft.


Ist der Marktanteil von Revell, der in den vergangenen Jahren immer so um 70 % bei Modellbau lag, durch die Sonderkonjunktur gestiegen?

S.K.: Nein, auch andere Marktteilnehmer wachsen. Außerdem müssen wir zwischen den numerischen oder wertmäßigen Marktanteilen unterscheiden. Numerisch ist der Marktanteil von Revell sehr groß, weil Revell viele preiswerte Produkte im Sortiment hat; wertmäßig gibt es wiederum Marktteil­nehmer, die sehr hochpreisige Produkte bieten und auch seine sehr gute Entwicklung aufweisen. Revell ist für die meisten in der Regel der Einstieg in den Modellbau. Die Marke Revell steht für den Volumenmarkt in der Nische. Die vielen Spezialisten sind wiederum relativ schwer erhältlich, vor allem im stationären Handel. Die Produkte bekommen sie oft nur auf Messen oder online. Diese Zahlen werden allerdings nicht getrackt. Tatsächlich haben wie erhebliche Abweichungen zwischen den npd und unseren eigenen Zahlen. Das hängt sicherlich auch damit zusammen, dass wir in Kanäle ver­kaufen, die bei npd nicht getrackt werden.


Apropos Kanäle, was steuert denn Ihr Online-Shop bei?

S.K.: 2020 hatten wir einen enormen Zuwachs, natürlich getrieben durch die beiden Lockdowns. 2021 ist die Entwicklung stabil geblieben. Unser Ziel ist es auch eher, das Niveau zu halten. Revell macht keine großartigen Preisaktionen oder ruft aggressive Preise auf. Wer bei uns kauft, kauft vor allem deshalb, weil wir das komplette Sortiment anbieten.


Ihre Mutter, Quantum Capital, steht für Buy-and-build und einen langfristigen Anlagehorizont. Der Fokus liegt auf mittelständische Unternehmen. In der Spielwarenbranche wimmelt es nur so von Kandidaten. Mit Revell und Carrera gibt man sich in München doch nicht zufrieden oder?

S.K.: Wir schauen uns immer wieder Unternehmen an. Die Marken-DNA muss allerdings passen und es muss eine sehr starke Marke sein. Die Marken der Carrera Revell Group sind Marktführer in der jeweiligen Nische. Es sind Nischen, in die Konzerne nicht so gerne reingehen, weil sie von uns besetzt sind. Wenn es Unternehmen gibt, auf die das Gesagte zutrifft, kann man sicherlich miteinander sprechen, wenn jemand die Firmen nicht weiter betreiben möchte.


Herr Krings, wie bedanken uns für das Gespräch.